Die österreichische
Stadtgemeinde Gerasdorf bei Wien hat alle
Kindergärten, Schulen und das Rathaus mit dubiosen Chips
ausstatten lassen, die einen Schutz vor "elektromagnetischen
Strahlen" von WLAN-Geräten bewirken sollen. Das berichtet
das IT-Portal "futurezone" unter Berufung auf
die "Niederösterreichischen
Nachrichten".
Der Bürgermeister der
Gemeinde, Alexander Voijta, erklärte dazu auf der Website der Gemeinde, "der
Schutz" (die Chips) werde "in allen Gerasdorfer Schulen
und im Rathaus installiert". Damit sei "unsere Gemeinde
Vorreiter in diesem Bereich, wo es um die Gesundheit unserer
Kinder geht".
Deutlich zurückhaltender
äußerte sich Vize-Bürgermeister Lukas Mandl auf Twitter: Der Hersteller der
Chips sei an die Eltern herangetreten und diese hätten sich an die
Gemeinde gewandt. Er halte nichts davon, aber
die Gemeinde sei dem Wunsch der Eltern nachgekommen. Am 4. Juli
2017 werde dazu eine Podiumsdiskussion stattfinden.
Nach Angabe des Herstellers
wurden die Chips (rd. 120 Stück) der Gemeinde kostenlos zu
Verfügung gestellt. Der normale Einzelpreis beträgt 24,90 Euro.
Aus wissenschaftlicher Sicht
handelt es sich bei den Chips um ein Scharlatanerieprodukt. Der Hersteller
behauptet, dass damit "Einbrüche und Spitzen" des vom
Funkgerät im Nahbereich erzeugten magnetischen Feldes geglättet
und dadurch für den "Bio-Organismus verträglich"
gemacht werden. Derartige "Elektrosmog-Schutzprodukte" sind seit vielen
Jahren in den unterschiedlichsten Ausführungen auf dem Markt.
Allen ist gemeinsam, dass ihre Wirkungsweise wissenschaftlich
nicht plausibel und nicht nachvollziehbar ist.
Käufer solcher Produkte
dürften in vielen Fällen verunsicherte Menschen sein, denen
eingeredet wurde, dass von Funkgeräten erzeugte
elektromagnetische Felder ("Elektrosmog")
gesundheitliche Beschwerden hervorrufen oder die nach
Erklärungen für tatsächlich vorhandene Beschwerden suchen.
Untersuchungen haben gezeigt, dass durch den "Nocebo-Effekt" allein schon die Angst vor "Elektrosmog" zu Beschwerden
führen kann.